Schiffshebewerk Niederfinow

Käsekuchen

zwischen Nieten, Seilen und Rollen

Etwas mehr als 50 Kilometer von Berlin in nordöstlicher Richtung gelegen, erreicht man mit dem Auto bequem den kleinen Ort Niederfinow in etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit.

Nicht nur das über 80 Jahre alte Schiffshebewerk beeindruckt mit seiner Größe und vielen technischen Details, auch die Landschaft links und rechts des nahen „Alten Finowkanals“ lädt zu jeder Jahreszeit zu ausgedehnten Fototouren ein. Sind es die vielen Nieten der Stahlkonstruktion des Hebewerkes, der leckere Käsekuchen beim Terrassenkaffee in der Nähe des Parkplatzes oder einfach nur die gewundenen romantischen Landstraßen durch das waldreiche Umland, die zum „Cruisen“ durch die wunderschöne Landschaft einladen.

Blick in das Hebewerk von der oberen Etage

Wie es auch sei, unzählige chromblitzender Motorräder, vorzugsweise der ehrwürdigen Marke Harley-Davidson, präsentierten sich recht selbstbewusst abgestellt den sich vorsichtig vortastenden vierrädrigen Neuankömmlingen. Bloß nichts anstoßen, sonst gibt’s einen fatalen Dominoeffekt – oh, oh. Im entlegenen Teil des Parkplatzes fand sich dann doch noch eine Nische für den fahrbaren Untersatz. Mit Käsekuchen und Kaffee war dann auch erst einmal nichts, denn alle Plätze der lockenden Gastronomie waren von meist bärtigen, entspannt der Sonne zugewandten KRAD-Eignern bzw. deren Lederstiefeln an den ausgestreckten Beinen der selbigen besetzt. Macht nichts, dachte ich, sollen sie sich ruhig erst einmal bei Limo und Keksen stärken. Auf geht’s zum nahen Schiffshebewerk, ich bin ja schließlich nicht zum Essen hier, oder doch, na ja.

Industriedenkmal

im Oderbruch

Das im Sinne der Haager Konvention, als Industriedenkmal anerkannte Schiffshebewerk Niederfinow, ist das älteste Schiffshebewerk in Deutschland, welches heute noch in Betrieb ist. Das Schiffshebewerk besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht. Die gesamte Konstruktion wird von fünf Millionen Nieten zusammengehalten. Gegründet wurde das Bauwerk mit Stahl bewehrtem Beton, der bis in eine Tiefe von 22 Meter tief in das Erdreich eingebracht wurde. Die Grundplatte ist vier Meter dick.

Nach einer siebenjährigen Bauzeit wurde das Schiffshebewerk 1934 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Gelegen am Ende des Oder-Havel-Kanals im Eberswalder Urstromtal, hat man als Besucher des Hebewerkes von der Galerie aus einen beeindruckenden und wunderschönen Rundblick auf eine waldreiche Landschaft zwischen Oderbruch und Barnim.

Nicht nur als Fotograf bin ich immer wieder beeindruckt von dieser unglaublichen Konstruktion aus Streben, Rollen, Seilen, Trägern und Nieten. Ausgehend vom nahegelegenen Parkplatz führt ein im Zickzack angelegter Weg, teilweise durch Wald, aufwärts bis auf das Niveau der genieteten oberen Trogbrücke. Dort beginnt der Rundweg um das Hebewerk auf einer sehr großzügig angelegten Besuchergalerie. Von nun an ist man fast mittendrin, wenn es losgeht.

An vielen Stellen des Hebewerkes kann man als Besucher viele beeindruckende Details dieser imposanten Konstruktion genau betrachten: Der mit Wasser gefüllte 4.290 Tonnen schwere, 85 Meter lange und 12 Meter breite Trog mit seinen 192 Ausgleichsgewichten aus Beton ist das architektonische und funktionale Herzstück der Anlage. Die 256 Stahlseile mit einem Durchmesser von 52 Millimetern und die unzähligen gigantischen Umlenkrollen mit einem Durchmesser von 3,50 Metern machen das Erscheinungsbild komplett. Dank der nahezu offenen Konstruktion kann man die Funktionsweise und das perfekte Zusammenspiel aller Komponenten sehr gut nachvollziehen.

Und am Ende gab es dann doch noch ein Tässchen Kaffee und ein Stück Käsekuchen.

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